Wer steht vor der Tür? Richtig, Ostern. Die Familie findet mal wieder einen Grund zur Zusammenkunft, Kinderaugen leuchten beim Suchen von Osternestern und beim Bemalen von Eiern. So weit, so traditionsreich.

Traditionen sind aber nicht nur dazu da, ihnen kopflos ihren Tribut zu zollen. Immer wieder müssen sie kritisch beleuchtet, hinterfragt und aus dem zeitgenössischen Kontext neu bewertet werden. Sonst hätten wir heute keine Gleichberechtigung, keine Demokratie, keine Menschenrechte. Weit gegriffen für so ein kleines Osterfest? Der Augenschein kann täuschen. Fakt ist: Gerade an Ostern erhalten Sie die Chance, mit überkommenen und anachronistischen Traditionen zu brechen, um ein kleines Stückchen der Welt in einem angenehmeren Ort zu verwandeln.

Eieiei

An Ostern dürfen Eier nicht fehlen? Sollten sie aber. Macht Sinn, schließlich legen Hasen keine Eier. Überdies: Beim Kauf von Eiern – und dabei ist es gleich, ob aus Käfig- oder Bodenhaltung, ob bio-zertifiziert oder nicht – unterstützen Sie eine lebensverachtende Industrie. Stellen Sie sich vor: Für jede Henne stirbt ein Hahn. Da männliche Küken überwiegend wertlos für die Produktion sind, werden die meisten von ihnen unmittelbar nach der Geburt geschreddert oder vergast. Die meisten, das heißt etwa 50 Millionen (!) pro Jahr.

Die Alternative? Nun, Ostern bietet uns die Möglichkeit, kreativ zu werden. Schließlich sind keine Eier nötig, um Kinder staunen zu machen. Osternester lassen sich vielfältig kreieren und schmücken, ohne dass die nötige Farbenpracht darunter leidet. Wenn es denn schon Eier sein müssen, finden sie hier interessante Vorschläge zu veganen und selbst gebastelten Varianten. Wem das zu aufwändig ist, dem bieten sich immer noch Ei-Alternativen aus Ton oder Porzellan aus dem Bastel- bzw. Dekorgeschäft.

Eier aus Marzipan, Fondant oder Gelee (ohne Gelatine, mit Pektin) werten Ihr Osternest zusätzlich auf und lassen sich sogar verzehren. Übrigens: Warum gestalten Sie nicht das gesamte Nest nachhaltig? Essbares Ostergras, bestehend aus Mehl, Stärke und Wasser, macht ihren Korb zu einem nahezu vollständig verwertbaren Vergnügen. Wahlweise können Sie auch Kresse heranzüchten und als Ostergras verwenden. Auch beim Nestkörbchen gilt es, achtsam zu sein: Verwenden Sie möglichst kein Plastik, sondern lieber Gestecke oder kleine Holzkartons. Für die Designfetischisten unter Ihnen: Mit Weckgläsern können Sie Ihr Osternest in ein modernes gläsernes Kunstwerk verwandeln.

Der obligatorische Schokohase

Schokolade sollte natürlich fair gehandelt sein. Etablierte Siegel und Zertifizierungen wie Fairtrade liefern Hinweise auf die Einhaltung sozialökonomischer Gerechtigkeitsbedingungen. Darüber hinaus ist beim heißgeliebten Schokorammler auf vegane Schokolade zu achten. Milch als integraler Bestandteil der meisten Schokoladenprodukte ist ebenfalls ein Erzeugnis grausamster Tierqualmethoden. Die meisten Milchkühe fristen ihr Dasein auf engstem Raum und haben das Tageslicht im schlimmsten Fall niemals zu Gesicht bekommen.

Was viele nicht wissen: Kühe geben keineswegs „einfach so“ permanent Milch, sondern (wie bei uns Menschen) nur, wenn sie schwanger sind. Sogenannte Milchkühe werden aus diesem Grund immer wieder aufs Neue befruchtet. Das Kalb, dem die Milch eigentlich zustehen würde, wird gleich nach der Geburt seiner Mutter entrissen und entweder geschlachtet, oder selbst zur Milchkuh herangezogen.

Kühe sind hochsensible Wesen und verfügen über eine starke emotionale Bindung zu ihren Kindern. Man muss nun weder frankophil noch des Französischen mächtig sein, um das im folgenden Video gezeigte Drama nachvollziehen zu können:

Glücklicherweise bieten sich Ihnen massig Alternativen. Lindt beispielsweise bietet Hasen aus Zartbitterschokolade an, die Variante von After Eight ist ebenfalls vegan. Vegane Osterhasen finden sich zudem bei vielen kleineren, auf tierleidfreie Produkte spezialisierten Herstellern. Wer sucht, der findet.

Nachhaltig + verantwortungsbewusst = innovativ!

Grundsätzlich haben Sie bei jeder Form des materiellen Schenkens die Möglichkeit, sich für den nachhaltigen Weg zu entscheiden. Wählen Sie kleine, regionale oder faire Hersteller, achten Sie auf nachhaltige Materialien und seien Sie nicht zu knauserig: In den meisten Fällen zahlen Sie nicht nur für Nachhaltigkeit, sondern gleichzeitig für Qualität. Für die Liebsten ist das Beste schließlich gerade gut genug.

Es zeigt sich: Wer den Traditionen stur hinterher trottet, wird auch nichts Neues entdecken. Man muss nicht zwingend mit allem Althergebrachten brechen, um neue Wege zu beschreiten. Oft genügt es, ein wenig kreativ und offen zu sein, um die heimelige Wärme familiärer und gesellschaftlicher Traditionen zu bewahren und ihnen einen neuen, tier-, umwelt- und menschenfreundlichen Anstrich zu verleihen.

In diesem Sinne wünschen wir vom Nachhaltigkeitsspiegel Ihnen und Ihren Familien ein frohes Osterfest.

 

Quellen:

Lexikon der Nachhaltigkeit

Wir leben nachhaltig

Ich-lebe-vegan

Enorm Magazin

Veganblatt

PETA

PETA

PETA ZWEI

 

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